Pfarrer Felber überraschte die Zuhörer dann aber in zweierlei Beziehung gewaltig. Wer sich erstens auf eine trockene und langatmige Pflichtübung eingestellt hatte, sah sich plötzlich in einen fast 50-minütigen Krimi verpflanzt. Darin bestritten politische und persönliche Intrigen um Luther und seine Gegenspieler die spannende Handlung. Und zweitens entpuppte sich der Referent den Protestanten und ihren Lehren gegenüber als absolut nicht ablehnend gesinnt. Im Gegenteil: es war deutliche Sympathie zu spüren. Die Evangelischen seien näher am Text der Bibel. Obwohl bei der Beauftragung der evangelischen Geistlichen die Apostolische Sukzession streng genommen fehle, sei der Vorgang durch die Handauflegung sehr nahe an der Weihe der katholischen Priester.
Aufgewachsen war Felber im ganz und gar katholischen Südostbayern, wo zu jener Zeit Ökumene ein Fremdwort ohne praktische Relevanz war. Als junger Priester hatte Pater Felber eine Zeit lang in der Diözese des Augsburger Bischofs Dr. Josef Stimpfle gewirkt. Stimpfle war lt. Felber ein ausgewiesener Ökumenefan(atiker), in dessen Diözese es nicht verboten war, bei einer Trauung den Partner aus der anderen Konfession zur Eucharistie einzuladen. (Anm.d.Red.: Andere Zeitzeugen berichten allerdings Gegenteiliges, siehe „DIE ZEIT“, 22.06.1990, Nr. 26). In Felbers Wirkungskreis galt die Devise: Warum streiten wir? Wir glauben dasselbe, wir leben, wir praktizieren nur unseren Glauben auf andere Weise.
Katholiken und Protestanten sollten heute einander mit Respekt begegnen (Felber), sich voll und ganz gegenseitig respektieren (Karl Rahner). Wenn Katholiken und Protestanten sich nicht verständigen, könnten sie eines Tages von außen gezwungen werden, notgedrungen zusammenzustehen. Für die Mahlgemeinschaft solle man der Richtschnur des persönlichen Gewissens folgen. Dies sei lt. Felber die Letzte Instanz. Muss das Versprechen im Traugespräch, die Kinder katholisch zu erziehen, strikt eingehalten werden? Entscheidend sei, in welcher Umgebung sich das Kind zurechtfinden müsse. Vorrang hat die Frage: Wie geht es dann in der konkreten Situation meinem Kind?
„Da sein für andere“ - Pater Franz Felber (70) unerwartet verstorben
Die Dachauer Katholiken trauern um Franz Felber SDB. Pater Franz Felber gehörte dem Orden der Salesianer Don Boscos an. Von 2006 bis 2010 war er Seelsorger in der Dachauer Pfarrei Heilig Kreuz. Es lag ihm bei allem seinem Tun und Denken sehr am Herzen, die Menschen in der Kirche ihre Heimat finden zu lassen.
Vor 70 Jahren wurde Franz Felber geboren. Seine Ordensprofess legte er 1961 ab, zum Priester wurde er 1970 geweiht. „Da sein für andere“, nach diesem Leitmotiv Don Boscos richtete er sein Leben ein. Am 14. November 2010 ist er unerwartet an Herzversagen gestorben, nur ein paar Wochen, nachdem er seinen Ruhestand angetreten hatte.
D.R.