Die Auseinandersetzung mit den persönlichen Wünschen für ein gutes und erfülltes Leben plus gleichzeitig Toleranz und Verständnis für die Wertvorstellungen anderer waren der Angelpunkt beim ersten „Gespräch nach 11“ am 13. Februar 2011 im Kirchensaal. Mit Simone Huber, seit einem Jahr Mitglied der Pfarrgemeinde, sollten Konsequenzen für das alltägliche Handeln daraus abgeleitet werden. Simone Huber ist Diplom-Sozialpädagogin, sie leitet das Patientenzentrum der Palliativabteilung eines großen Medizinischen Versorgungszentrums. Peter Heimann stellte sie vor und führte in das Thema ein..
Es ist dennoch ein falscher Ansatz, wenn man sich darauf verlässt, dass die Ethik für jedes Dilemma mit einer Antwort bereitsteht oder für alle Situationen Rezepte bietet. Die Ethik ist Spiegel unseres Gewissens, sie konfrontiert uns mit Fragen, sie hinterfragt nur. Das Gewissen wird dafür aus vielerlei Quellen genährt: aus der Vorstellung, aus Erlebnissen, aus Gehörtem, aus Gesehenem, aus der Erfahrung in Bezug auf Versäumnisse oder Vergeudung, aus der Erziehung zum Beispiel.
Reflektieren wird wohl am besten als "disziplin-orientiertes Nach-Denken" umschrieben: auf Ordnung bedachtes Verhalten, Unterordnung oder bewusste Einordnung in eine bestimmte Ordnung, das bewusste Einhalten von Vorschriften oder Verhaltensregeln, die nicht nur einem Einzelnen nützen. Mein Handeln darf durchaus auf Vorteil bedacht sein, vorteilhaft für alle, nicht allein für mein Ego.
In der Gesprächsrunde wurde Bedauern über den Umstand artikuliert, dass die Wirtschaftsethik ein Stiefkind geblieben ist – nicht nur in Handel und Gewerbe unserer Tage, sondern auch als Gegenstand von Forschung und Lehre an den Universitäten. Was sind das für Zeiten, in denen dem einen trotz Versagens ein Millionenbonus ausgezahlt wird, während der andere bei ehrlicher Vollzeitarbeit auf eine Hartz-IV-Aufstockung angewiesen ist?
Der Tourist stört die beschauliche Ruhe des in seinem Boot im idyllischen Hafen dösenden Fischers, indem er zuerst Fotos macht und ihn dann überreden will, zum Fang hinauszufahren. Als der Fischer erwidert, dass er damit schon fertig sei, steigert sich der besorgt wirkende Tourist in Visionen hinein und malt aus, was alles an Reichtum eintreffen könnte, wenn der Fischer mehr arbeiten würde. Doch dieser erklärt dem Touristen rundweg, dass er mit seinem Leben vollkommen zufrieden sei, woraufhin jener aufgibt und nachdenklich weggeht. „Es blieb keine Spur von Mitleid mit dem Fischer in ihm zurück, nur ein wenig Neid.“
Der Fischer ist mit seinem Leben zufrieden und arbeitet nur so viel, wie er es zum Überleben tun muss. Er arbeitet, um leben zu können - ganz im Gegensatz zu dem Touristen. Denn der lebt, um zu arbeiten. Und wir?
Dieter Reinke
Als die eingeplante 60-Minuten-Grenze überschritten war, wurde aus dem sehr regen Teilnehmerkreis heraus mit Nachdruck der Wunsch geäußert, die Gesprächsrunde fortzu- setzen, weil noch mehrere wesentliche Punkte unbehandelt geblieben waren. Simone Huber stimmte zu und umriss in ihrem Ausblick u.a. die folgende Palette von weiter- führenden, verfeinerten Fragestellungen:
Warum gelingt es uns im Alltag oft so wenig, bei unseren Wertvorstellungen zu bleiben, sodass wir doch in ein anderes, in ein unethisches Verhalten verfallen? Was löst diese Krisen aus, was hindert uns? Was brauchen wir, um es besser zu machen? Sollte ich mir zum Beispiel Zeitfenster zum „Nach-Denken“ schaffen? Suche ich mir Gesprächspartner, mit denen gemeinsam Reflektieren möglich ist? Führt mich die Diskussion in und mit einer Gruppe zur Einübung ethischen Handelns?
Ein wichtiger Schritt ist auch die Bewusstmachung der Endlichkeit. Es gibt Grenzen. Muss ich auch akzeptieren, dass ich manches nicht tun kann, dass ich manches versäumt habe? Und dass ich im Lebensprozess manchmal auch trauern muss für Dinge, die ich vergeudet habe, weil ich mir keine Zeit genommen habe, mich damit zu versöhnen und weiter- zumachen? Wie kann ich überprüfen, welches der nächste gute Schritt wäre?
Die Weiterführung der Gesprächsrunde wurde spontan für den 13. März vereinbart.

Warum gelingt es uns im Alltag oft so wenig, bei unseren Wertvorstellungen zu bleiben, sodass wir doch in ein anderes, in ein unethisches Verhalten verfallen? Was löst diese Krisen aus, was hindert uns? Was brauchen wir, um es besser zu machen? Sollte ich mir zum Beispiel Zeitfenster zum „Nach-Denken“ schaffen? Suche ich mir Gesprächspartner, mit denen gemeinsam Reflektieren möglich ist? Führt mich die Diskussion in und mit einer Gruppe zur Einübung ethischen Handelns?
Ein wichtiger Schritt ist auch die Bewusstmachung der Endlichkeit. Es gibt Grenzen. Muss ich auch akzeptieren, dass ich manches nicht tun kann, dass ich manches versäumt habe? Und dass ich im Lebensprozess manchmal auch trauern muss für Dinge, die ich vergeudet habe, weil ich mir keine Zeit genommen habe, mich damit zu versöhnen und weiter- zumachen? Wie kann ich überprüfen, welches der nächste gute Schritt wäre?
Die Weiterführung der Gesprächsrunde wurde spontan für den 13. März vereinbart.