„Zusammen glauben, feiern, beten.“ So lautete das Motto der Gebetswoche für die Einheit der Christen vom 18. bis 25. Januar 2011. Die weltweite ökumenische Veranstaltung befasste sich mit den Ursprüngen der christlichen Kirche in Jerusalem und mit der gegenwärtigen Situation – auch für die Christen – dort. Als Symbol für diesen Gedanken hatte man die Grabeskirche ausgewählt, das Gotteshaus, in dem alle christlichen Konfessionen Gottesdienste feiern.
Das Thema „Zusammen glauben, feiern, beten“ wurde von einer Gruppe palästinensischer Christen in Jerusalem ausgewählt und geht auf Apostelgeschichte 2,42 zurück. Es ist ein Appell für Inspiration und Erneuerung, für eine Rückkehr zu den unverzichtbaren Bestand- teilen des Glaubens, es ist eine Aufforderung, sich an die Zeiten zu erinnern, als die Kirche noch Eins war. Den Text von Apg 2,42 in acht verschiedenen deutschen Übersetzungen finden Sie hier.

In Dachau hatte die Gnadenkirche am 23. Januar um 18.00 Uhr einen eindrucksvollen ökumenischen Gottesdienst gestaltet – unter Mitwirkung von Geistlichen aller katholischen und evangelischen Pfarreien sowie der griechisch-orthodoxen Gemeinde. Anschließend gab es eine Begegnung „bei Brot, Wein und guten Gesprächen“ im dortigen Pfarrheim.
Diakon Klentzan berichtete von den traumatisch geschädigten Bewohnern, besonders den Kindern, in den besetzten Gebieten. Er schilderte den Rückgang, geradezu den Exodus der Christen aus dem palästinensischen und dem arabischen Raum. Die kleine Minderheit der dort verbliebenen, lokalen Christen verschafft der christ- lichen Religion eine Überlebens- chance dadurch, dass sie die Konfessionszugehörigkeit nicht engstir- nig zementiert: als Folge der Heirat wechseln die Ehefrauen häufig zur Glaubens- gemeinschaft des Partners über, und niemand erachtet das als Katastrophe. Nur aus dem Zusammenhalt heraus können die Christen dort in ihrer schwierigen Situation als Christen überleben.
Das Zeichen großer Stärke und der Glaubenshoffnung dort kann den Christen hier als Vorbild dienen. Von dort kommt ein Dokument, das mit folgenden Worten schließt: „Obwohl es keine Hoffnung gibt, schreien wir unsere Hoffnung heraus. Wir glauben an Gott, an den gütigen und gerechten Gott. Wir glauben, dass am Ende seine Güte den Sieg über das Böse des Hasses und des Todes davontragen wird, die noch immer in unserem Land herrschen. Wir werden hier ein neues Land und einen neuen Menschen entdecken, der imstande ist, sich im Geiste der Liebe zu allen seinen Brüdern und Schwestern zu erheben.“
Moskovitz schreibt an Klentzan, schon seit über 30 Jahren versuche er, in Deutschland das Bewusstsein zu wecken, dass der Frieden zwischen Israel und den Palästinensern nur durch geeinten Druck von der inter- nationalen Gemeinschaft zu schaffen sei. Leider sei da nichts geschehen. Auch die Kirchen hätten geschwiegen und sich mit der Situation abgefunden. Wörtlich fährt er fort: "Ich begrüße die Initiative der Christen und hoffe, dass nun endlich Christen aller Länder, besonders die deutschen Christen – ohne das Existenzrecht Israels zu bestreiten – die Angst ablegen werden, als Antisemiten verunglimpft zu werden, und sich unablässig und aktiv dafür einzusetzen, endlich beide Völker zu bewegen, aus dem schrecklichen Krieg auszusteigen und den Palästinensern zu helfen, über sich selbst bestimmen zu können." Gerade angesichts der deutschen Vergangenheit müsse Deutschland die Speerspitze der Bemühungen werden, um das Gemetzel im Heiligen Land zu beenden.
"Gebe Gott uns Kraft. Amen." Mit diesen Worten schloss Peter Klentzans Predigt. Der eindringliche Appell von Moskovitz wirkte noch lange nach in den intensiven Gesprächen während der ökumenischen Begegnung anschließend im Pfarrheim.

Bericht und Fotos: Dieter Reinke
