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Getrennt, und nun geeint: Die Rechtfertigungslehre

Die Menschen waren damals umgetrieben von der Frage: "Werde ich von Gott angenommen? Kann Gott mich lieben in meiner Sündhaftigkeit?" Diese Fragen haben für den heutigen Menschen kaum noch eine Bedeutung. Heute geht es mehr um die Existenz und die Gerechtigkeit Gottes, um den Sinn des Lebens. Auch Martin Luther, Augustinermönch und späterer Reformator, quälte sich: "Wie kriege ich einen barmherzigen Gott?" Beim Studium der Heiligen Schrift fand er im Römerbrief die Antwort: Der Mensch braucht Gott nicht gnädig zu stimmen. Er kann und braucht es nicht, weil in und durch Jesus jeder Mensch von Gott angenommen ist. So sagt Luther, der Mensch sei "simul iustus et peccator", Gerechter und Sünder zugleich. Jesus ist es, der für die Menschen vor Gott, seinem Vater, eintritt. Durch Jesu Wirken ist der Mensch vor Gott "gerechtfertigt". Der Gläubige braucht sich nur auf die Liebe und Barmherzigkeit Gottes einzulassen. Der Glaube allein ist die Rettung, die Garantie für das Seelenheil. Als Beweis dient ihm der rechte Schächer, der mit Jesus gekreuzigt worden war. Er war ans Kreuz geheftet, konnte also keinerlei gute Werke tun; er konnte nur gläubig auf Jesus vertrauen, und Jesus sagt ihm: "Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein!"
Die damalige katholische Kirche betonte aber auch den heilschaffenden Wert der guten Werke. Vor allem lehrte sie auch die Bedeutung des Ablasses. Durch bestimmte gute Werke, Gebet und Sakramentenempfang konnte der Mensch für sein eigenes Seelenheil oder das von Verstorbenen Verdienste erwerben. Die Kirche berief sich dabei auf den Jakobusbrief, den Martin Luther "eine strohern Epistel" nannte. Leider betonten beide Seiten ihre Ansicht dann so einseitig, dass die Art, wie der Mensch sein Heil vor Gott erlangen konnte, eine wesentliche Voraussetzung für die Kirchenspaltung wurde.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Rechtfertigung umfasst sowohl die Vergebung der Schuld des Menschen aufgrund der gnädigen Haltung Gottes als auch seine Befähigung zum Guten durch die Mitteilung der Gaben des Heiligen Geistes, die schon während des irdischen Lebens des Menschen wirksam sind. In der Erklärung heißt es dann auch: "Gemeinsam bekennen wir: Allein aus Gnade im Glauben an die Heilstat Christi, nicht aufgrund unseres Verdienstes, werden wir von Gott angenommen und empfangen den Heiligen Geist, der unsere Herzen erneuert und uns befähigt und aufruft zu guten Werken" (GE 15). Einfacher lässt sich die Sachlage so ausdrücken: Ein Mensch, der glaubt und in der Nachfolge Christi zu leben versucht, dessen Leben wird auch von der Gottes- und Nächstenliebe und damit von guten Werken gekennzeichnet sein, wozu ja Jesus aufruft, wenn er sagt: "Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan!"
Durch die Gemeinsame Erklärung sind sich die Kirchen einen wesentlichen Schritt näher gekommen. Hier war der Heilige Geist am Werk.
GR Reinhold Langenberger
im Pfarrbrief Advent 1999
im Pfarrbrief Advent 1999
Ökumenisches Zusammenleben heute: Ärgerliches und Bereicherndes
Liebe Gemeindemitglieder der Friedenskirche!
Liebe Schwestern und Brüder!

Dass gerade dieses Einheit schaffende Vermächtnis Jesu schließlich Christen, Brüder und Schwestern Jesu verschiedener Konfessionen, trennen würde wegen des unterschiedlichen Verständnisses des Abendmahls, der Eucharistie, das konnten weder die Apostel ahnen, noch konnte es Jesus gewollt haben. Konfession heißt ja Bekenntnis. Weil Christen verschiedener Kirchen sich also in besonderer Weise, ihrem Glaubensverständnis entsprechend überzeugt, zu Christus bekennen, können sie das Mahl Jesu Christi nicht zusammen feiern. Das ist absurd und ärgerlich. Ich hoffe sehr, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird und die Kirchen zueinander und gemeinsam zu Jesus finden.
Vieles aber können wir gemeinsam tun: beten, singen, Feste und Gottesdienste feiern. Vielfältige Begegnungen sind möglich. Ökumenische Ehen beleben und bereichern uns. So habe ich große Zuversicht, und mir ist nicht bange. Dass ich im Pfarrbrief der Friedenskirche diese Zeilen schreiben darf, ehrt und freut mich und zeigt, dass wir auf gemeinsamem Weg sind. Als Pfarrer von Mariä Himmelfahrt bin ich ja Nachbar, und ich bin froh, dass nicht nur zwischen den Gemeindemitgliedern, sondern auch zwischen den Seelsorger/innen beider Gemeinden ein freundschaftliches Verhältnis besteht. [...]
GR Reinhold Langenberger
im „Evangelischen Gemeindebrief“ der Friedenskirche 2005
im „Evangelischen Gemeindebrief“ der Friedenskirche 2005
Gedanken zum Fortschritt der Ökumene
(Aus dem Grußwort an Erzbischof Prof. Dr. Reinhard Marx am 2. Februar 2008)
[...] Da Sie selbst in dem Interview sagen „Ein Bischof ist nicht dazu da, eigene Ideen durchzudrücken, sondern Christus zu verkünden“, bin ich guten Mutes, dass der neue Bischof und Bayern zusammenfinden und dass wir beide uns in diesem Ziel, Christus zu verkünden, sehr gut zusammenfinden werden.
Und dieses gemeinsame Ziel ist auch eine gute Grundlage für unsere ökumenischen Beziehungen. Im Bereich der Erzdiözese ist die Zahl konfessionsverschiedener Ehen besonders groß. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die ökumenische Zusammenarbeit unserer Kirchen. Dabei stimme ich mit Ihnen völlig überein, wenn Sie sagen: „Der Fortschritt der Ökumene ist nicht am Streitthema Abendmahl zu messen. Es geht vor allem darum, Respekt vor dem Anderssein des Partners zu haben. In der Ökumene geht es nur weiter, wenn wir klar die Möglichkeiten und Grenzen des Partners respektieren und nicht den Eindruck vermitteln, der eine müsste genauso werden wie der andere.“ Ganz genau so sehe ich es auch. Wenn wir in den nächsten Jahren dahin kommen, Respekt voreinander zu zeigen und uns nicht gegenseitig grundsätzlich mit unseren spezifischen Auffassungen in Frage zu stellen, ist viel gewonnen. Ich sage Ihnen zu, dass ich keinerlei Forderungen an Sie stellen werde, die zu erfüllen Ihnen die katholische Glaubenslehre oder das Kirchenrecht unmöglich machen. Und ich bin aufgrund meiner Erfahrungen sicher, dass Sie auch uns denselben Respekt entgegenbringen werden. Dann können wir in aller Verschiedenheit gemeinsam überzeugend Zeugnis ablegen für unseren Herrn Jesus Christus.
Das wichtigste Projekt der nächsten Jahre, bei dem wir gemeinsam Verantwortung tragen, ist der Zweite Ökumenische Kirchentag 2010. Ihre Vision dazu haben Sie in der Aussage fokussiert: »Ich würde mir als Zielfoto des Kirchentags wünschen, dass wir alle sagen: „Gut dass wir dieses gemeinsame Zeugnis in unserer Gesellschaft gegeben haben!“«
Der Ökumenische Kirchentag ist zunächst mal eine missionarische Chance. Die Menschen schauen auf uns, ob wir ein gemeinsames Glaubenszeugnis geben oder ständig auf der Hut voreinander sind. Eine zerstrittene Christenheit gibt kein glaubwürdiges Zeugnis ab. Wir müssen vielmehr deutlich machen, dass wir im Grundsätzlichen, aber auch in ganz vielen Einzelfragen übereinstimmen und bei dem, was uns noch trennt, ehrlich um Überwindung bestrebt sind und uns nicht gemütlich in unser eigenes Sosein eingerichtet haben. Was wir tun und sagen, darf vor allem nicht den Eindruck erwecken, es richte sich gegen die Menschen und gegen die Ökumene. Jesus Christus will, dass alle eins seien. Und die Menschen in Bayern wünschen sich das auch. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Ihnen das Prädikat „Muntermacher im Glauben“ am Ende auch von den Christinnen und Christen unserer Kirche und von den Menschen in konfessionsverschiedener Lebensgemeinschaft nachgesagt werden kann.
Ich lade Sie ganz herzlich ein, dass wir uns regelmäßig begegnen und miteinander austauschen. Unsere Ämter und Fachabteilungen tun das sowieso. [...]
(Aus dem Grußwort an Erzbischof Prof. Dr. Reinhard Marx am 2. Februar 2008)

Und dieses gemeinsame Ziel ist auch eine gute Grundlage für unsere ökumenischen Beziehungen. Im Bereich der Erzdiözese ist die Zahl konfessionsverschiedener Ehen besonders groß. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die ökumenische Zusammenarbeit unserer Kirchen. Dabei stimme ich mit Ihnen völlig überein, wenn Sie sagen: „Der Fortschritt der Ökumene ist nicht am Streitthema Abendmahl zu messen. Es geht vor allem darum, Respekt vor dem Anderssein des Partners zu haben. In der Ökumene geht es nur weiter, wenn wir klar die Möglichkeiten und Grenzen des Partners respektieren und nicht den Eindruck vermitteln, der eine müsste genauso werden wie der andere.“ Ganz genau so sehe ich es auch. Wenn wir in den nächsten Jahren dahin kommen, Respekt voreinander zu zeigen und uns nicht gegenseitig grundsätzlich mit unseren spezifischen Auffassungen in Frage zu stellen, ist viel gewonnen. Ich sage Ihnen zu, dass ich keinerlei Forderungen an Sie stellen werde, die zu erfüllen Ihnen die katholische Glaubenslehre oder das Kirchenrecht unmöglich machen. Und ich bin aufgrund meiner Erfahrungen sicher, dass Sie auch uns denselben Respekt entgegenbringen werden. Dann können wir in aller Verschiedenheit gemeinsam überzeugend Zeugnis ablegen für unseren Herrn Jesus Christus.
Das wichtigste Projekt der nächsten Jahre, bei dem wir gemeinsam Verantwortung tragen, ist der Zweite Ökumenische Kirchentag 2010. Ihre Vision dazu haben Sie in der Aussage fokussiert: »Ich würde mir als Zielfoto des Kirchentags wünschen, dass wir alle sagen: „Gut dass wir dieses gemeinsame Zeugnis in unserer Gesellschaft gegeben haben!“«
Der Ökumenische Kirchentag ist zunächst mal eine missionarische Chance. Die Menschen schauen auf uns, ob wir ein gemeinsames Glaubenszeugnis geben oder ständig auf der Hut voreinander sind. Eine zerstrittene Christenheit gibt kein glaubwürdiges Zeugnis ab. Wir müssen vielmehr deutlich machen, dass wir im Grundsätzlichen, aber auch in ganz vielen Einzelfragen übereinstimmen und bei dem, was uns noch trennt, ehrlich um Überwindung bestrebt sind und uns nicht gemütlich in unser eigenes Sosein eingerichtet haben. Was wir tun und sagen, darf vor allem nicht den Eindruck erwecken, es richte sich gegen die Menschen und gegen die Ökumene. Jesus Christus will, dass alle eins seien. Und die Menschen in Bayern wünschen sich das auch. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Ihnen das Prädikat „Muntermacher im Glauben“ am Ende auch von den Christinnen und Christen unserer Kirche und von den Menschen in konfessionsverschiedener Lebensgemeinschaft nachgesagt werden kann.
Ich lade Sie ganz herzlich ein, dass wir uns regelmäßig begegnen und miteinander austauschen. Unsere Ämter und Fachabteilungen tun das sowieso. [...]
Landesbischof Dr. Johannes Friedrich